
Mieten oder Eigentum im E-Commerce: Warum SaaS vs. On-Prem eine strategische Entscheidung ist
Mieten oder Eigentum im E‑Commerce?
Warum SaaS vs. On‑Prem, Cloud vs. Self‑Hosted eine strategische Entscheidung ist – und keine technische
Auf LinkedIn wird SaaS vs. On‑Prem im E‑Commerce oft emotional diskutiert – fast wie eine Glaubensfrage. In der Realität ist diese Entscheidung alles andere als emotional: Sie ist strategisch. Kurzsichtige Entscheidungen haben später oft teure Konsequenzen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht welches System ist besser, sondern: Was sind die Bedürfnisse unseres Unternehmens – heute und in Zukunft?
Die bekannte Diskussion – richtig eingeordnet
Im E‑Commerce wird oft gefragt:
SaaS oder On‑Prem?
Die treffendere Frage lautet:
Mieten oder Eigentum – und für welche Phase unseres Geschäfts?
Denn genau wie beim Wohnen lässt sich diese Entscheidung hervorragend vergleichen: Wer zur Miete wohnt, investiert nur ungern in Dinge, die man vielleicht in ein paar Jahren wieder zurücklässt. Gleichzeitig kennt jeder Hausbesitzer die Herausforderungen, die entstehen, wenn plötzlich Fenster saniert oder das Dach erneuert werden muss. Beides ist legitim – aber beides hat sehr unterschiedliche Konsequenzen.
SaaS = Mieten
SaaS-Plattformen wie Shopify, SCAYLE oder Adobe Commerce as a Cloud Service (ACCS) sind unschlagbar, wenn Geschwindigkeit zählt.
Stärken
- sehr schnelle Time-to-Market
- meist geringere Initialkosten im Setup
- Updates, Security und Betrieb sind Teil der laufenden Kosten
- dadurch hohe Planbarkeit
- Skalierung ist weitgehend gelöst (Traffic-Spitzen, Internationalisierung, Infrastruktur)
- technologische Grundsatzentscheidungen werden vom Anbieter getroffen
- Fokus auf Business statt Technik
Schwächen
- steigende App-Kosten mit wachsendem Funktionsumfang und wachsendem Bestellvolumen
- Umsatzbeteiligungen oder transaktionsbasierte Gebühren
- Abhängigkeit vom App-Ökosystem
- begrenzte Kontrolle über Kernprozesse
- Vendor-Lock-in: Wechsel der Plattform ist technisch und organisatorisch aufwendig
- externe Abhängigkeiten: strategische oder politische Entscheidungen der Anbieter (z. B. Regulierung, Hosting, Datenpolitik in Übersee) können direkten Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell haben
Einordnung:
SaaS verlagert einen großen Teil der technischen Verantwortung nach außen. Das erhöht Geschwindigkeit und Planbarkeit, setzt aber voraus, dass Kostenstruktur, Governance und Abhängigkeiten dauerhaft zur Unternehmensstrategie passen.
On-Prem = Eigentum
On-Prem-Systeme wie Magento oder Shopware bieten maximale Kontrolle und Gestaltungsfreiheit – verlagern diese Verantwortung jedoch vollständig ins Unternehmen.
Stärken
- volle Daten- und Prozesshoheit
- individuelle Business-Logik möglich
- keine Umsatzbeteiligungen
- hohe Flexibilität bei komplexen Anforderungen
Schwächen
- laufender Aufwand für Security-Updates, Wartung und Betrieb
- interne Ressourcen binden sich dauerhaft an Plattform- und Infrastrukturthemen
- Pflichtaufwände konkurrieren mit Feature-Budget (Stabilität vor Innovation)
- neue Technologien sind kein Selbstläufer (z. B. Agentic-Commerce-Ansätze benötigen aktives Enablement)
Einordnung:
On-Prem verlagert technologische Verantwortung und Entscheidungsfreiheit ins Unternehmen. Das erhöht Kontrolle und Unabhängigkeit, erfordert jedoch eine Organisation, die Betrieb, Weiterentwicklung und Innovation dauerhaft tragen kann.
Die eigentliche Komplexität der Entscheidung
Die Entscheidung zwischen SaaS und On‑Prem ist deutlich komplexer, als sie in vielen Diskussionen dargestellt wird. Beide Modelle haben ihre klare Berechtigung – aber nicht für jedes Geschäftsmodell und nicht unter denselben Rahmenbedingungen.
Die zentrale Frage ist daher nicht:
Welche Plattform ist besser?
Sondern:
Welche Plattform passt zu den aktuellen Bedürfnissen unseres Unternehmens – und welche Entwicklung erwarten wir realistisch in den nächsten zwei bis drei Jahren?
Genau hier entstehen die meisten Fehlentscheidungen. Nicht, weil ein System „falsch“ ist, sondern weil es nicht zum Unternehmen passt.
Typische Denkfehler:
- Fokus ausschließlich auf schnelle Time‑to‑Market‑Vorteile
- Plattformwahl als isolierte IT‑Entscheidung
- Ausblenden von Migrations‑, Wechsel‑ und Opportunitätskosten
- Überschätzung interner technischer Reife und verfügbarer Ressourcen
- Unterschätzung von langfristigem Betriebs‑, Wartungs‑ und Organisationsaufwand
Die Realität:
Kurzfristig sinnvolle Entscheidungen können langfristig erhebliche Kosten verursachen – organisatorisch, technisch und wirtschaftlich.
Strategische Einordnung statt Lagerdenken
SaaS reduziert Komplexität, beschleunigt Entscheidungen und macht Wachstum planbar.
On‑Prem verschiebt Komplexität nach innen, schafft dafür maximale Gestaltungsfreiheit.
Keines von beidem ist per se besser.
Entscheidend ist, wer die Komplexität tragen soll – und zu welchem Zeitpunkt.
Eine tragfähige E‑Commerce‑Strategie betrachtet daher:
- Geschäftsmodell und Margenstruktur
- erwartete Skalierung und Internationalisierung
- Integrations‑ und Prozessanforderungen
- interne Organisation und technologische Reife
Fazit
Die Entscheidung für SaaS oder On‑Prem ist keine einfache Entweder‑oder‑Frage.
Sie ist eine strategische Weichenstellung, deren Auswirkungen oft erst Jahre später sichtbar werden.
Beide Modelle haben ihre Berechtigung – wenn sie bewusst, phasenorientiert und mit Blick auf die Zukunft gewählt werden.
Genau dabei unterstützen wir.
Wir helfen Unternehmen dabei, ihre Anforderungen realistisch einzuordnen, Szenarien zu bewerten und eine E‑Commerce‑Strategie zu entwickeln, die nicht nur heute funktioniert, sondern auch morgen noch trägt.
Denn gute Entscheidungen entstehen nicht aus Ideologie – sondern aus Klarheit.


























