PIM steht für Product Information Management. Ein solches Produktdaten Management System ermöglicht die konsolidierte Pflege und Verteilung aller Arten von Produktinformationen (Beschreibungen, Größen, Eigenschaften, Anwendungen, Bilder, Videos, Zertifikate, Produktdatenblätter und vieles mehr) an einer Stelle. Dies ermöglicht höhere Datenqualität und die Nutzung in allen Bereichen des Unternehmens (Vertrieb, Marketing, E-Commerce). Im B2B E-Commerce spielen PIM Systeme ihre Stärken besonders aus und sind daher oft ein Erfolgsfaktor.

Fragestellung

Häufig werden uns jedoch folgende Fragen dabei gestellt:

  1. Wann ist der Einsatz eines PIM Systems sinnvoll?
  2. Warum reicht das ERP oder E-Commerce System für mich nicht aus?
  3. Was ist der besondere Nutzen eines PIM im B2B E-Commerce

Diese Fragen wollen wir im Rahmen des Beitrags beantworten.

Hintergrund: B2B E-Commerce Herausforderungen

E-Commerce im B2B Bereich ist eigentlich noch anspruchsvoller als im B2C. B2B Kunden haben die gleichen Ansprüche an die User Experience wie B2C Kunden – denn diese sind beim privaten B2C Shopping gelernt. Sie haben also eine ähnliche Erwartungshaltung an das Einkaufserlebnis, gleichzeitig ist die Auswahl im B2B Bereich jedoch in der Regel um ein vielfaches komplexer als der Kauf einer neuen Hose. Für den potenziellen B2B Kunden gibt es auf Produktseite meist viele schwierige Fragen, wie z.B. ist das Produkt für unsere Anwendung geeignet, wie ist die Haltbarkeit, wie weitere Eigenschaften, welche Wartungskosten fallen an, welche Zertifikate sind notwendig und sind diese vorhanden? Darüber hinaus sind an der Auswahl eines B2B Produkts häufig mehrere Parteien beteiligt – von der Assistenz über die Fachabteilung bis hin zum Einkauf – und diese benötigen meist unterschiedliche Informationen. Ganz gleich aus welchen Gründen Nutzer online einkaufen:  Sie möchten letztlich möglichst ohne lange Suche das für sie richtige Produkt oder die richtige Leistung inklusive allen Informationen finden und den Einkauf sicher und erfolgreich abschließen.

Die Beispiele zeigen aber dass eine Kaufentscheidung im B2B E-Commerce deutlich komplexer ist als im B2C, insbesondere weil:

  1. Produkte & Leistungen deutlich komplexer sind im B2B (Maschine, Bauteile, Beratung) als im B2C (Hose)
    > höherer Informationsbedarf & größere Informationstiefe notwendig
  2. der Kaufprozess viel komplexer ist da mehr Parteien wie z.B. Einkauf, Fachabteilung etc. beteiligt sind (Buying House)

Bedeutung des E-Commerce steigt im B2B Vertrieb & Marketing

Im B2B-Bereich ist die Customer Journey daher ungleich komplexer als im B2C-Bereich. Maßgebend für die zielführende User Experience im E-Commerce des B2B sind somit aussagekräftige und vollständige Produktdetails, die die Produktqualität widerspiegeln. Denn vollständige Daten, die die Lösung eines Problems beschreiben, die den Erwartungen entsprechen und die Vorteile des Produktes aufzeigen, tragen zu einer Konversion bei. Die Notwendigkeit nach online auffindbaren Produktdaten steigt zudem, da das im B2C gelernte Nutzerverhalten zu einer stärkeren Online Orientierung in der Recherchephase führt – Corona und der dementsprechende Wegfall von Messen und anderen Vertriebskontakten verstärkt diesen Effekt weiter. Daher erwarten B2B Kunden immer stärker alle relevanten Produktinformationen auch Online gut strukturiert vorzufinden.

Customer Journey im B2B E-Commerce

Die Informationsbeschaffung findet im B2B Omnichannel statt – Social Media, Firmenwebsite, Onlineshop, Webinars, YouTube und manchmal auch parallel über mehrere Verkaufskanäle hinweg. Der Entscheidungsprozess zieht sich im dabei oft sogar von mehreren Monaten bis hin zu Jahren, je nach Größe der Produukte bzw. Leistung. Zudem spricht man als Anbieter auch mit unterschiedlichen Zielgruppen (Buying House) – vom Endnutzer der Fachabteilung, über den Manager bis hin zum Einkauf. Um den Entscheidungsträger vom Lead bis zur Bestellung und darüber hinaus zu begleiten, sind demnach ansprechende, marketingorientierte und aussagekräftige Produktinformationen an vielen verschiedenen Touchpoints vonnöten. Um diese Produktdaten passend bereitstellen zu können, die nötige Tiefe abzubilden und die Verwaltung im Unternehmen zu vereinfachen, ist ein intelligentes System erforderlich. Genau hier ist der Einsatzbereich eines PIM Systems, kurz für Product Information Management System. Aufgrund der Komplexität kommt ein PIM zumeist bei KMUs und Konzernen zum Einsatz, diese profitieren dann von klar definierten Prozessen, Zuständigkeitsbereichen, Freigabeeinstellungen und Evaluationsschritten. Was ein PIM beinhaltet, welche Vorteile es für Unternehmen mit sich bringt und inwiefern es als Erfolgsfaktor fungiert, lesen Sie hier.

Was ist das PIM?

Die Abkürzung „PIM“ steht für Product Information Management, auf Deutsch: Produktinformationsmanagement. Es bezeichnet ein System, dass Daten wie technische Details, Inhaltsstoffe, Preise und Beschreibungstexte sammelt. Es kann aber auch Bilder, Videos und Gebrauchsanweisungen zentral bündeln. Die Produktinformationen werden in einer Datenbank gesammelt, verwaltet, genutzt und geteilt. Das PIM System bereitet die Informationen der Produkte mittels Kenndaten so auf, dass verschiedene Kanäle auf die für sie nötigen Daten für ein Produkt zugreifen können, ebenso wie der Kunde, der die ausgespielten Daten einsehen kann.

Die Szenarien für die Abrufung von Produktinformationen verschiedener Kanäle können wie folgt aussehen:

  • ein Kunde sucht online auf der Website nach den technischen Features oder nach Preislisten für ein Produkt
  • ein Nutzer möchte sich im Onlineshop im Detail über die Inhaltsstoffe zu einem bestimmten Produkt informieren
  • ein Händler benötigt für den Verkauf zusätzliche Informationen zu einem Produkt
  • die Print-Abteilung im Unternehmen plant den Druck von Produktblättern eines neuen Launches
  • das Social-Media-Team plant eine neue Produktkampagne für verschiedene Kanäle
  • v. m.

Die internen Produktdaten werden somit von verschiedenen Nutzergruppen auf unterschiedliche Weise verwendet. Das PIM dient dabei als zentrale Produkt-Datenbank für die Informationen der gesamten Produktpalette und kann die Daten für interne & externe Nutzung in verschiedene Kanäle streuen.

PIM Funktionen, Datenquellen, Daten & Kanäle im E-Commerce

PIM (product-information-management) im B2B E-commerce

Warum PIM und nicht nur ERP?

Das sogenannte Enterprise-Resource-Planing (ERP) dient als unternehmerisches System für jegliche Form von Produkt- & Leistungsdaten. Es beinhaltet neben Produktdaten auch wirtschaftliche Daten für die Herstellung, Bestellung, Lagerung, Lieferung, d.h. unter anderem für Warenwirtschaft, Materialwirtschaft und Personalwirtschaft. Der Fokus und damit auch die Produktdatenstruktur im ERP liegt jedoch in den genannten Funktionen – insbesondere Produktion, Bestellung und Lieferung der Produkte & Leistungen. Zumeist eignen sich ERP Systeme sehr schlecht zur Produktdatenhaltung, Eigenschaften, Beschreibungen, Bildmaterialien etc. kaum abgebildet werden können. Insbesondere Produktattribute und Medieninformationen stellen ERP Systeme meist vor große Schwierigkeiten. Zudem bildet ein ERP im Gegensatz zu einem PIM System, die zu den Produkten zugehörigen Workflows und Zuständigkeiten nicht ab. Genau genommen arbeitet ein PIM-System also on top eines ERP, indem es explizit die Daten von Produkten verwaltet und Prozesse für die Produktdatenverarbeitung etabliert. In einem agilen Unternehmen sind daher meist sowohl ERP als auch PIM essenzielle Teile der Systemlandschaft.

Vorteile des PIM gegenüber ERP System auf einen Blick

  • Workflow Prozesse werden hervorragend abgebildet > Sicherstellung der Datenqualität

  • Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten lassen sich ebenso wie Workflows granular regeln

  • Produktdatenbreite und -tiefe und Flexibilität viel höher als im ERP (bsp. Attribute)

  • Mediendateien jeglicher Art als Assets verwaltbar

ERP Funktionen & Module