Lange wurde im Online-Shopping den Besonderheiten der Frauen wenig Beachtung geschenkt. Der E-Commerce ist eine Branche, die von Männern dominiert wird. Dementsprechend werden viele Online-Shops von Männern designed und auch technisch umgesetzt. Oftmals setzten sich so überwiegend männliche Vorstellungen durch und der weibliche Blickwinkel gerät in Vergessenheit.

Dabei ist uns allen aus dem Offline-Handel bekannt, dass Männer und Frauen eine andere Vorstellung von Shopping haben. Männer kaufen gezielt das, was sie brauchen. Frauen hingegen bummeln und lassen sich gerne während des Kaufprozesses zu neuen Kaufideen inspirieren.

Außerdem stehen für sie nicht, wie bei einem Mann, die Technologie und Funktionalität der Suche und des Menüs als Navigation im Vordergrund, sondern vielmehr das Aussehen des Shops, die Produkte und der Wohlfühlfaktor.

Daraus ergeben sich andere Bedürfnisse und Wünsche der Frauen, die auch in der Konzeption von Online-Shops beachtet werden sollten, um bestmögliche Umsatzwerte in dieser Zielgruppe erreichen zu können. Derzeit wird von einem jährlichen Umsatzverlust von ca. 2,3 Milliarden Euro durch mangelnde Zielgruppenanpassung ausgegangen.

[Update 26.05.2014] Stichwort jetzt Female Commerce

Nachdem wir uns bereits letztes Jahr mit den Unterschieden von Männern und Frauen im Online Shopping beschäftigt haben, gab es aktuell auf der Meet Magento 2014 einen interessanten Beitrag zu diesem Thema. Wie so oft wird für spannende Themen aber auch ein entsprechend griffiger, englischer Name benötigt – daher wird jetzt häufig in diesem Zusammenhang von Female Commerce gesprochen. So oder so wollen wir Ihnen die interressanten Hinweise der Female Commerce Präsentation nicht vorenthalten:

 
[Update Ende]

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen

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Aktuell gibt es eine Studie, die sich mit dem Kaufverhalten von Frauen in Deutschland beschäftigt. Die Studie „KauFRAUsch“zeigt die Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf und benennt zudem Erfolgsfaktoren, die Frauen in Online-Shops überzeugen.

Die laut der Studie wichtigsten Erkenntnisse haben wir im Folgenden einmal für Sie zusammengefasst. So gaben deutlich mehr Frauen an, dass ihnen die Gründe für den Onlinekauf v.a. das zeitlich unabhängige Shoppen und das bequeme Bestellen von zu Hause sind.

Mit fast 70% gaben deutlich mehr Frauen als Männer an, dass der Grund für einen Onlinekauf ist, dass sie schneller ihr Wunschprodukt finden und kaufen können.

Außerdem sprechen Frauen viel häufiger mit anderen über ihre Onlinekäufe. Im Vergleich zu 32% der männlichen Kunden  tun dies 40% der Frauen. Auch die Weiterempfehlungsrate eines Onlineshops ist bei Frauen mit 34% (Männer 27%) höher. Zufriedene weibliche Kunden fördern dadurch schneller den Bekanntheitsgrad Ihres Shops.

Hinzukommt, dass Frauen eine höhere Loyalität aufweisen gegenüber Shops, die sie einmal überzeugt haben, sie greifen also gern auf Altbewährtes zurück und interessieren sich auch stärker als Männer für ergänzende Produkte, die der Shop ihnen vorschlägt.

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass 66% der Frauen und im Vergleich nur 38% der Männer beim Shoppen nicht nur für sich Produkte kaufen, sondern auch nach Passendem für Freunde und Familienmitglieder Ausschau halten. Frauen kaufen im Allgemeinen vorausschauender, d.h. sie bemühen sich sehr frühzeitig um Geschenke für Geburtstage und auch Weihnachten.

Was Frauen wollen

Wie Mel Gibson in seinem Film „Was Frauen wollen“ auch sehr anschaulich versucht hat nachzuvollziehen lässt sich anhand der Studie nun besser verstehen und auf den E-Commerce anwenden. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kundinnen beim Online-Shopping sind folglich andere, als die der männlichen Kunden. Frauen wollen:

  • Shopping als ein Event, bei dem es eine Geschichte um das Produkt gibt und sie sich auf einer Entdeckungsreise befinden
  • Begeisterungsfeatures, damit echte Shoppingfreude aufkeimt, denn Kaufen ist Gefühlssache und mit Emotionen verbunden
  • Maßgeschneiderte Benutzerfreundlichkeit, d.h. Frauen möchten Produkte online in einem virtuellen Verkaufsraum bestmöglich erleben, testen und ausprobieren
  • Attraktives Design, d.h. Frauen legen mehr Wert auf das Aussehen des Shops, Farben und Formen müssen stimmen und einen Wohlfühlfaktor erzeugen
  • Persönliche und glaubwürdige Kommunikation, bei der die Frau möglichst das Gefühl hat, die gleiche Beziehung zum Shop zu haben wie zum Laden um die Ecke

 

Tipps für Shopbetreiber

Zusammenfassend lassen sich nun folgende Tipps für Shopbetreiber ableiten, die den Erfolg ihres Online-Shops in der weiblichen Zielgruppe steigern wollen.

  • Eye-catcher („Create a world around the product“)
    Bilder sind unerlässlich. Frauen legen Wert auf detaillierte Produktpräsentationen, bei denen man das Gefühl hat, die Produkte selbst in der Hand zu halten. Besonders effektiv,  beispielsweise in der Bekleidungsbranche, sind auch Produktvideos. Wichtig ist hierbei, dass die Produkte nicht von Models präsentiert werden, sondern von Frauen, mit denen sich die Kundinnen selbst identifizieren können. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Avataren, die es ermöglichen, alle möglichen Outfitkombinationen auszuprobieren.
  • Persönliche Ansprache
    Sehr zu empfehlen sind intelligente Newsletter, die dem Kaufverhalten der Frau entsprechende Produktvorschläge verschicken. Dies können Produkte sein, die die Kundin sich bereits mehrfach angeschaut, jedoch noch nicht gekauft hat oder auch ähnliche Produkte, die als Ergänzung zu bereits gekauften Artikeln dienen können. So bleiben die Kundinnen kontinuierlich über die neusten Entwicklungen und Produkte informiert und es findet eine erhöhte Interaktion mit dem Shop statt.
  • Social Networks
    Frauen sind wahre „Social Hubs“. Sie sind sehr aktiv in sozialen Netzwerken,  wie Facebook und Twitter, in denen man Produkte und Shops liken und kommentieren kann. Diese Eigenschaft der Frau als personifiziertes Schneeballsystem für die Bekanntheit des Shops und deren Produkte sollte man sich als Shopbetreiber zu Nutze machen und dementsprechend die eigene Aktivität im Bereich Social Media steigern.
  • Personalisierte Empfehlungen
    Frauen kaufen oft intuitiv und lassen sich vor Ort im Geschäft zum passenden Produkt inspirieren. Wichtig ist, dass die Frau sich im Shop gut aufgehoben fühlt und auf ihre persönlichen Wünsche eingegangen wird. Dieses Gefühl kann ein Shopbetreiber mithilfe eines Produktberaters und zugeschnittenen Produktempfehlungen realisieren. Im besten Fall wird die Kundin dadurch zu Zusatzkäufen animiert.
  • Begeisternder Service
    Frauen teilen sich gerne, wie oben bereits erwähnt, über ihre Zufriedenheit mit Produkten und Shops gerade in den Social Media mit und legen auch sehr viel Wert auf Empfehlungen von Freundinnen und der Familie. Daher ist es sehr wichtig einen guten Kundenservice anzubieten, der die Kundin zufriedenstellt, damit der „Schneeballeffekt“  positiv genutzt werden kann.

 

Beispielseiten im Vergleich: Männer – Frauen

Conrad Männer Technik ShoppingMännerseite „Conrad

Conrad als Technik & Elektronik Shop richtet sich klar an die männliche Zielgruppe und strotzt dementsprechend vor technischen Daten und Filtermöglichkeiten. Hier kann man sich die Produkte vor allem nach technischen Gesichtspunkten eingrenzen und navigiert in erster Linie über Kategorien und technische Produktfilter. Emotionalität und entsprechende Ansprache der Kunden fehlt im Conrad Shop fast völlig, Menschen sind so gut wie keine zu sehen.

 

Frauenseite „Daily Grommet:Daily Grommet – Online Shopping for Women / Frauen
Ein gelungendes Beispiel für eine Damen Zielansprache ist der Online-Marktplatz Daily Grommet.
Die Menüführung lädt sehr zum Stöbern ein und besonders stechen die Produktvideos heraus, in denen die Produkte von Durchschnittsfrauen getragen werden und vom Grommit-Team selbst eine Geschichte über die Eigenschaften und die Herstellung jedes Produktes erzählt wird. Frauen können sich mit den Produkten identifizieren und bauen eine persönliche Bindung auf.

 

Pinterest – Web Design Style for Women / FrauenPinterest:

Sehr beliebt bei der weiblichen Zielgruppe sind auch soziale Netzwerke wie Pinterest, da sie beste Möglichkeiten zum Stöbern und bummeln bieten und Frauen es lieben durch andere inspiriert zu werden.

 

 

Fazit:

Abschließend ist zu sagen, dass viele Onlineshops die Herausforderung annehmen sollten, sich mit der weiblichen Zielgruppe stärker auseinanderzusetzen und Veränderungen anzugehen. Kleine Anpassungen können bereits Großes bewirken. Lassen Sie das Potenzial der weiblichen Zielgruppe nicht ungenutzt!

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Frauen im Online-Shopping – Die vernachlässigte Zielgruppe , 4.4 von 5 basierend auf 9 Bewertung(en)